Vom Muttermal zum schwarzen Hautkrebs
Mit den ABCDE-Regeln lässt sich diese gefährliche Hautkrebsform frühzeitig erkennen. Chirurgisch entfernt und – falls nötig – mit einer Nachbehandlung ist der Krebs damit in den meisten Fällen nachhaltig verschwunden. Ausschlaggebend für den Erfolg sind Größe und Dicke des Melanoms – je kleiner es ist, desto größer sind die Heilungschancen.Im Überblick
Von allen Hautkrebsarten ist der sogenannte schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) wegen seines schnellen Wachstums und der frühzeitigen Absiedlung von Tochterzellen der gefährlichste. Rund 15.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einem malignen Melanom, etwas mehr Frauen als Männer. Und der Trend ist deutlich: Seit den 70er-Jahren haben sich die Erkrankungsraten für das maligne Melanom gut versechsfacht.
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Die Risikofaktoren – Muttermale und Gene
Das Melanom geht von speziellen Zellen der Haut aus, die das Pigment Melanin produzieren (Melanozyten). In seltenen Fällen kann es sich auch in der Schleimhaut bilden. Bei einem Drittel der Patienten entsteht das Melanom aus einem angeborenen oder neu entstandenen Muttermal. Ein hohes Risiko für die Entstehung eines Melanoms haben Menschen mit vielen Muttermalen. Wer mehr als 50 Muttermale hat, weist ein doppelt so hohes Hautkrebsrisiko auf im Vergleich zu Menschen mit nur zehn oder weniger Muttermalen. Eine mögliche Erklärung für diesen Zusammenhang könnte sein, dass mit steigender Zahl an Leberflecken auch die Masse an Zellen steigt, die bösartig entarten können. Aber auch die Gene spielen eine Rolle. So treten immerhin fünf bis zehn Prozent der Melanome in Familien mit den entsprechenden Erbfaktoren auf.
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Gefahrenfaktor UV-Strahlen
Ein weiterer Risikofaktor für eine Melanom-Entstehung ist die starke UV-Bestrahlung der Haut durch das Sonnenlicht. So erhöht sich beispielsweise nach mehreren Sonnenbränden vor dem 20. Lebensjahr das Risiko der Entartung. Allerdings ist der Zusammenhang nicht so deutlich wie beim Basaliom oder Plattenepithelkarzinom: Diese entstehen hauptsächlich auf Hautstellen, die stark der Sonne ausgesetzt sind (zum Beispiel Gesicht und Hände). Das Melanom entsteht hingegen auch an Hautstellen, auf die nur wenig UV-Strahlung trifft. Dabei gibt es unter den Geschlechtern eine Auffälligkeit: Bei Männern treten Melanome vor allem am Rücken auf, bei Frauen an den Unterschenkeln.
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Steckbrief vom Schwarzen Hautkrebs
Das maligne Melanom kann in verschiedenen Variationen auftreten. Dunkle Färbung ist sein auffälligstes Merkmal. Es kann knotig erscheinen oder eher flach mit oberflächlicher Ausbreitung, manchmal kommt es zu Blutungen. Es muss nicht immer auf den ersten Blick sichtbar auf der Haut wachsen, sondern kann sich zum Beispiel auch unter einem Fingernagel bilden. In sehr seltenen Fällen ist das Melanom unpigmentiert.
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Die Diagnose
Wächst das Melanom nur in der ersten Hautschicht, der Oberhaut, liegen die Heilungschancen bei bis zu 100 Prozent, so die gute Nachricht. Die schlechte: Ist der Tumor bereits in die zweite Hautschicht, die Lederhaut, eingedrungen, erreichen seine Zellen Blut- und Lymphgefäße. Dann können sich seine Zellen im ganzen Körper ausbreiten. Das maligne Melanom möglichst frühzeitig zu erkennen ist deshalb wichtig und kann Leben retten. Weil die Fälle von Hautkrebs derart rasant zunehmen, haben die Krankenkassen reagiert. Ab dem 35. Lebensjahr haben alle Versicherten im Abstand von zwei Jahren einen Anspruch auf ein Hautkrebsscreening. Diese Regelung gilt seit dem 1. Juli 2008. Das Screening führen Dermatologen durch, aber auch viele Hausärzte, die sich für diese Diagnose zusätzlich qualifiziert haben.
Die ABCDE-Regel
Um ein harmloses Muttermal vom malignen Melanom unterscheiden zu können, werden die Hautveränderungen nach den sogenannten „ABCDE-Regeln“ beurteilt:
- A = Asymmetrie
- B = Begrenzung
- C = Color (Farbe)
- D = Durchmesser
- E = Erhabenheit
Leberflecke sind nach den ABCDE-Regel also grundsätzlich dann verdächtig, wenn sie:
- asymmetrisch wachsen
- unregelmäßig begrenzt sind
- sich in der Farbe ändern, unregelmäßig oder besonders dunkel pigmentiert sind
- größer als 5 Millimeter sind
- stark über das Hautniveau hervortreten, also erhaben sind.
Jedes der aufgeführten Merkmale sollte zum Hausarzt oder Dermatologen führen. Darüber hinaus gelten folgende Symptome als Alarmzeichen:
- bei jeder Veränderung eines Muttermals
- bei blutenden oder entzündlich veränderten Leberflecken
- bei kleinen Satellitenherden um den Leberfleck
- wenn man ein unauffälliges Mal plötzlich spürt
- bei Schmerzen, Juckreiz, Bohren oder Ziehen
- wenn Leberflecken plötzlich in großer Zahl auftreten
- bei Muttermalen, die innerhalb weniger Monate neu aufgetreten sind.
Pigmentmale, die dauernd mechanisch gereizt werden, zum Beispiel im Scheuerbereich des Gürtels, am Hals, im BH-Trägerbereich, an Fußsohlen und Handflächen können häufiger entarten.
Die Diagnoseoptionen – von Blickdiagnose bis Blutuntersuchung
Präzisere Untersuchungsmöglichkeiten erlauben, dass Hautkrebs in einem immer früheren Stadium entlarvt werden kann und damit die Heilungschancen besonders gut sind. Experten versprechen sich von den neuen Diagnoseverfahren Dermatoskopie, Videodermatoskopie und Teledermatoskopie eine Verbesserung der Diagnosesicherheit um 30 Prozent.
Erstes Diagnoseverfahren ist meist die Dermatoskopie mit dem Auflichtmikroskop. Das kleine Gerät mit Lupe und Lichtquelle vergrößert mindestens zehnfach. Eine spezielle Technik mit Öl und polarisiertem Licht erlaubt dabei einen Blick bis auf die oberste Schicht der Lederhaut – ohne Belastung des Patienten. Die Videodermatoskopie ist eine Weiterentwicklung dieser Technik. Eine Spezialkamera nimmt Pigmentmale in 20- bis 70-facher Vergrößerung auf und speichert die Bilder ab. Bei späteren Kontrolluntersuchungen kann der Arzt die Entwicklung einer Hautveränderung verfolgen und damit noch sicherer entscheiden, ob sie harmlos oder gefährlich ist. Und per Telemonitoring lässt sich problemlos die Zweitmeinung eines weiteren Spezialisten einholen.
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Die Therapie
Ist eine Hautveränderung verdächtig, wird sie operativ entfernt. Dabei muss als Sicherheitsabstand auch ein Saum von gesundem Gewebe um den Tumor herum herausgeschnitten werden, um die Streuung der Krebszellen über die Lymphgefäße zu verhindern. Wie groß dieser Sicherheitsabstand und somit der resultierende Gewebeschaden wird, hängt von der Ausprägung des Tumors ab. Dabei wurden von Experten unterschiedliche Stadien von 1 bis 4 festgelegt, die sich nach der Tumordicke richten. Bei dünnen Tumoren, die nur bis zu 1 mm dick sind (Stadium 1), reicht nach den Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ein Abstand von 1 cm, bei einer Dicke zwischen 1 und 4 mm (Stadium 2 und 3) sollte der Abstand 2 cm und bei Tumoren mit einer Dicke über 4 mm (Stadium 4) dann 3 cm betragen.
Die große Gefahr: Bildung von Metastasen
Melanome haben die starke Tendenz, Metastasen, also Tochtergeschwüre zu bilden. Knochen, Lunge, Leber und Gehirn sind hier besonders gefährdet. Um zu erkennen, ob sich Metastasen gebildet haben, untersucht man die in der Nähe des Tumors liegenden ableitenden Lymphwege und -knoten. Ab einer Tumordicke von 1 mm wird der Wächterlymphknoten sicherheitshalber immer entfernt, um eine mögliche Ausbreitung auszuschließen. Sollte der Wächterlymphknoten frei von Metastasen sein, wird dies als prognostisch gutes Zeichen gewertet. Bei Befall werden sämtliche Lymphknoten der Umgebung ausgeräumt.
Bestätigt sich der Verdacht, dass Lymphknotenmetastasen vorliegen, sind weitere Untersuchungen nötig, um Tochtergeschwüre zu entdecken, damit sie so schnell wie möglich behandelt werden können. Ultraschall, Blutbild und weitere bildgebende Verfahren schaffen Klarheit.
Abhängig von der Tumorausdehnung (ohne sichtbare Metastasen) erhält der Patient eine Interferon-Therapie. Diese Substanz regt das körpereigene Immunsystem dazu an, eventuelle Metastasen selbstständig zu bekämpfen und zu zerstören. In Studien hat sich herausgestellt, dass eine Interferon-Therapie die Überlebenszeit des Patienten erheblich verlängert.
Haben sich Metastasen gebildet, müssen sie je nach Ausprägung mit den gängigen Methoden angegangen werden – Bestrahlung, Operation, Chemotherapie oder einer Kombination daraus. Erforscht werden zurzeit für Melanom-Metastasen auch Behandlungsformen, die sich auf das Immunsystem konzentrieren und es dazu anregen sollen, die Krebszellen direkt zu zerstören. Daneben werden auch Wirkstoffe wie die sogenannten monoklonalen Antikörper geprüft, die einzelne Bestandteile von Tumorzellen angreifen.
Nachsorge wahrnehmen
Allerdings ist es lebenswichtig, die Nachsorgetermine einzuhalten. Weil beim Melanom Rückfälle auch noch nach vielen Jahren eintreten können, empfehlen Experten den Patienten, mindestens zehn Jahre lang regelmäßig zum Check zu gehen.
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Quellen:
Informationen des Robert-Koch-Instituts
www.hautkrebs.de
Krebsinformationsdienst des DKFZ Heidelberg
Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2007
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